2/1999
Schwerpunkt: Die Politisierung des Körpers
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Heidi Hofmann
Der Körper in der philosophischen, genethischen und feministischen Diskussion
Heidi Hofmann untersucht den Körper unter dem Aspekt der Rationalisierung und Naturalisierung in philosophischen und genetischen Diskursen. Die dort angestrebte Befreiung vom Körper als auch dessen Beherrschung und Zurichtung kennzeichnen eine Moderne, die den Körper nunmehr als bloße Materie und als Gefängnis der Seele und des Geistes zu reflektieren vermag. Daß die Aufgabe der Wechselbeziehung zwischen Geist und Körper, wie sie noch in dualistischen Ansätzen prominent war, letztendlich zu einem ethischen Vakuum führt, veranschaulicht Hofmann an der ethischen Debatte. Indem dort ein Personenbegriff vorherrscht, der das leibliche Dasein ausklammert, werden religiöse und anthropologische Werte, auch die Werte der Aufklärung, wie sie insbesondere mit dem Begriff der Menschenwürde zum Ausdruck kommen, verabschiedet. So reduziert in der genetischen Diskussion die Naturalisierung und Rationalisierung den Körper auf ein Objekt. Und derart objektiviert, erscheint schließlich der Körper aller Attribute entledigt, die ihn bislang vor einem Zugriff der Technologien bewahrt haben.
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Susanne Krasmann
Körper hervorbringen.
Zur konstitutiven Funktion von Diskursen bei Foucault
Susanne Krasmann greift in ihrem Beitrag die feministischen Kontroversen um die epistemologischen Voraussetzungen des "Körpers" auf. Dazu reflektiert sie die Foucaultsche Diskurs-Analytik und das dort angelegte Verhältnis von Materialität und Sprache. Körper, so wird unter dieser Perspektive deutlich, gehören der Ordnung des Sichtbaren an und stellen zunächst noch ungeformte Materie dar, eine Oberfläche, die bezeichnet wird. Allerdings lassen sich Körper nicht einfach sprachlich abbilden. Vielmehr werden sie durch Diskurse modifiziert, sie formen sich im Zusammenspiel von Diskursen und Praktiken, von Wissen und Macht.
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Valeria Borbonus
Lokalisierung kritischer Körperkonzepte innerhalb variierender Körper(be)deutungen
Valeria Borbonus untersucht in ihrem Beitrag jene diskursiven Techniken, mit denen Wissen über den Körper produziert wird, konkrete Redeweisen also, mit denen in postindustriellen Zeiten der Körper bezeichnet und überformt wird. Damit rücken auch jene feministischen Aussagen über Körperlichkeit und Sexualität in den Blick, wie sie etwa die neueren Konzepte des "queer" und "transgender" vertreten. Sie haben sich eine "Gegenpolitisierung des Körpers" zum Ziel gesetzt. Indem sie eine Sexualität beschreiben, die sich gegen die Heteronormativität richtet, und indem sie die in die traditionellen Körperdiskurse eingegangenen Konstruktionen entlarven, scheint es möglich, die gängigen Körperkonzepte subversiv zu unterwandern. An beiden Körperstrategien setzt die Kritik von Borbonus an. Sie stellt an den postmodernen Körperstrategien die dort übliche Kommerzialisierung und Miniaturisierung des Körperwissens in Frage, gleichzeitig entdeckt sie jedoch auch beim feministischen Geschlechter- und Sexualitätskonzept des "queer" einen gewissen Einklang mit der kommerziellen Unternehmensmaxime.
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Kathrin Braun
Der Angriff auf die Gebürtigkeit ist ein Angriff auf die menschliche Freiheit
Mit der Frage, welche Konsequenzen die Instrumentalisierung des Körpers für den gesellschaftlichen Status der Individuen hat, beschäftigt sich Kathrin Braun in einem Beitrag über die ethischen Konsequenzen der Gen- und Fortpflanzungstechnologie. Konkret knüpft Braun an die Sloterdijk-Debatte an, in der bekanntlich die Möglichkeit einer Planung, Züchtung und Selektion von Menschen ausgesprochen wurde. Braun jedoch setzt dieser Vision die aufgeklärte "Idee der Freiheit" und den Grundsatz der Menschenwürde entgegen und kritisiert Sloterdijks Elmauer Rede als Element eines Diskurses, mit dem das Projekt aufklärerisch-emanzipativer Gesellschaftskritik delegitimiert werden soll.
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Brigitte Kerchner
Der Körper als politische Metapher
Brigitte Kerchner stellt die "Verkörperung des Politischen" ins Zentrum ihres Aufsatzes. Am Beispiel der Redeweisen über den "Staatskörper", den "Volkskörper" und die "Nation als Körper" skizziert sie die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des "Körpers" als politischer Metapher. In der politischen Theorie, so wird dabei deutlich, waren die Körpermetaphern das diskursive Element, um die "Entkörperung des Individuums" und die gleichzeitige Reduktion der Frau auf ihren Körper sprachlich zu gewährleisten. Im politischen Alltag haben dann Körpermetaphern, Körpersymbolik und Körperrituale dazu beigetragen die Abgrenzung und Hierarchisierung von "Völkern" zu inszenieren und die innere Homogenität von "Nationen" zu imaginieren. Daß bei diesen politischen Instrumentalisierungen des "Körpers" die geschlechtsspezifische Selektion wie die Vereinnahmung des Frauenkörpers eine große Rolle spielen, wird ebenfalls sichtbar.
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Jasmin Touati
Geschlecht, Identität(en) und Körper im Internet
- Eine Annäherung
Einen Blick auf die zukünftigen Potentiale des Internet eröffnet Jasmin Touati mit ihrem Beitrag über die Rolle von Körper und Körperlichkeit in der computervermittelten Kommunikation. Nach einem Exkurs über die Pionierinnen der Computertechnologie stellt Touati erst einmal die physikalische und organisatorische Struktur des Internet vor. Bietet das Internet die Chance zur Überwindung althergebrachter patriarchaler Kommunikationsformen? Welche Plausibilität hat die Zukunftsvision des Cyberfeminismus (Plant 1996; Haraway 1997)? Diese Fragen führen ins Zentrum des "Kulturraums Internet". Besonderes Aufsehen erregt dabei, daß hier ganz neue Möglichkeiten eröffnet werden, mit geschlechtlichen Identitäten zu experimentieren. Körperlose Kommunikation auf der einen und Genderswitiching, Genderswapping und virtuelles Crossdressing auf der anderen Seite - im Internet scheint es möglich, die herkömmlichen Körpergrenzen weit hinter sich zu lassen. Zu zeigen, daß diese neuen Kommunikationsformen zwar durchaus egalisierend oder geschlechterdemokratisch wirken können, aber auch hergebrachte patriarchale Kommunikationsformen zu perpetuieren vermögen, ist ein wesentliches Anliegen der Autorin.
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