2/2000
Schwerpunkt: Beschäftigungserfolge und Geschlechtergleichheit - internationale Erfahrungen
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Silke Bothfeld, Julia Lepperhoff, Alexandra Scheele
Von Äpfeln und Birnen oder der Schwierigkeit, Beschäftigungserfolge zu übertragen
Dem Beitrag liegt die These zugrunde, dass die offiziellen Beschäftigungsrankings, die sich das Benchmarking (d.h. die vergleichende Leistungserfassung) von nationalen Arbeitsmärkten zum Ziel gesetzt haben, die Realität aus Geschlechterperspektive nur unzureichend erfassen. Daher unterziehen Silke Bothfeld, Julia Lepperhoff und Alexandra Scheele die Basisindikatoren für die Messung beschäftigungspolitischer Erfolge einer kritischen Betrachtung, indem sie diese mit den nach Geschlecht differenzierten Arbeitslosen- und Beschäftigungsquoten konfrontieren sowie Umfang und Qualität der Beschäftigung in die Betrachtung miteinbeziehen. Sie plädieren für einen erweiterten Begriff einer egalitären Beschäftigungspolitik, in der die Verknüpfung von Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik mit Arbeitszeitregelungen und mit sozialpolitischen Reformen einen zentralen Stellenwert einnimmt. Als normativen Bezugsrahmen nennen sie das von Nancy Fraser (1994) entwickelte sogenannte 'Integrationsmodell', das von einer reduzierten Arbeitszeit für beide Geschlechter ausgeht und es so Männern und Frauen gleichermaßen ermöglicht, in die Erwerbssphäre wie auch in die Haus- und Betreuungsarbeit integriert zu werden.
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Nora Fuhrmann
Dänemark: Arbeitsmarktpolitik im universalistischen Wohlfahrtsstaat
Das Kernstück der Reform des dänischen Wohlfahrtsstaates ist die Arbeitsmarktpolitik. Unter dem Namen "Aktive Linie" wird eine beschäftigungsfördernde Politik betrieben, deren Schwerpunkt auf der Erwerbsmobilisierung liegt. Nora Fuhrmann stellt in ihrem Beitrag diese Arbeitsmarktreformen vor und bewertet sie aus einer feministischen Perspektive. Besonderes Augenmerk legt sie auf die Freistellungsmaßnahmen und die "Job-Rotation" sowie auf die qualitativ neuen Reformelemente der Qualifizierung und Aktivierung. Diese setzt sie sowohl zu umfassenderen Reformprozessen des dänischen Wohlfahrtsstaates als auch zum wohlfahrtsstaatlich institutionalisierten Geschlechterverhältnis in Bezug. Abschließend werden die Entwicklungsaussichten des dänischen Geschlechterverhältnisses und die etwaige Übertragbarkeit einzelner Bestandteile der Beschäftigungspolitik auf andere Länder diskutiert. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass in Dänemark eine allmählich fortschreitende weitere Angleichung der Entscheidungsspielräume von Männern und Frauen zu erwarten ist. [zurück]
Andrea Leitner und Margareta Kreimer
Österreich als erfolgreiches Beschäftigungsmodell für Frauen?
Mit dem EU-Beitritt und der Übernahme der beschäftigungspolitischen Leitlinien ist Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbsleben in Österreich zu einem wichtigen Thema geworden. Andrea Leitner und Margareta Kreimer identifizieren in ihrem Beitrag zwei Diskussionsschwerpunkte, die allerdings nur selten in Verbindung gebracht werden: die Ausweitung der Frauenbeschäftigung und die Neugestaltung der Karenzregelungen ("Kinderbetreuungsgeld"). Die beiden Autorinnen zeigen in ihrem Beitrag diesen Zusammenhang auf und analysieren die österreichische Beschäftigungspolitik unter dieser Perspektive. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich in Österreich zwar einige "sehr brauchbare Ansätze zur Herstellung von Geschlechtergleichheit und deutliche Bemühungen vor allem in der Arbeitsmarktpolitik" finden lassen, diese jedoch nur zu einer primär quantitativen Integration von Frauen geführt haben, die entlang vielfach segregierter Linien verläuft. Dabei bildet die Berufsunterbrechung von Frauen zur Kinderbetreuung die größte Barriere.
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Andrea Leitner und Margareta Kreimer
Österreich als erfolgreiches Beschäftigungsmodell für Frauen?
Mit dem EU-Beitritt und der Übernahme der beschäftigungspolitischen Leitlinien ist Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbsleben in Österreich zu einem wichtigen Thema geworden. Andrea Leitner und Margareta Kreimer identifizieren in ihrem Beitrag zwei Diskussionsschwerpunkte, die allerdings nur selten in Verbindung gebracht werden: die Ausweitung der Frauenbeschäftigung und die Neugestaltung der Karenzregelungen ("Kinderbetreuungsgeld"). Die beiden Autorinnen zeigen in ihrem Beitrag diesen Zusammenhang auf und analysieren die österreichische Beschäftigungspolitik unter dieser Perspektive. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich in Österreich zwar einige "sehr brauchbare Ansätze zur Herstellung von Geschlechtergleichheit und deutliche Bemühungen vor allem in der Arbeitsmarktpolitik" finden lassen, diese jedoch nur zu einer primär quantitativen Integration von Frauen geführt haben, die entlang vielfach segregierter Linien verläuft. Dabei bildet die Berufsunterbrechung von Frauen zur Kinderbetreuung die größte Barriere.
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Traute Meyer
Notes from a Booming Island.
Wie Aufschwung und soziale Ungleichheit in Großbritannien zusammengehen und was New Labour daran ändert
Vor dem Hintergrund der guten wirtschaftlichen Situation in Großbritannien untersucht Traute Meyer, ob diese Prosperitätsphase zu einer Nivellierung sozialer Ungleichheit zwischen den Geschlechtern beigetragen hat. Ausgehend von der These, dass das Beschäftigungssystem die zentrale Arena darstellt, in der gesellschaftlich erstrebenswerte Güter und Positionen verteilt werden und dass schon die Bedingungen für den Zugang zu dieser Arena für Männer und Frauen traditionell ungleich sind, analysiert sie zunächst die bildungs- und sozialpolitischen Voraussetzungen für den Zugang zum Arbeitsmarkt für Männer und Frauen in den 90er Jahren. In einem zweiten Schritt untersucht sie die tatsächliche Repräsentation der Geschlechter in der Beschäftigungsstruktur. Schließlich stellt Traute Meyer wesentliche arbeitsmarkt- und sozialpolitische Reformen der Labour-Regierung dar und analysiert ihre mögliche Wirkung für die Beseitigung von sozialer Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. In ihrem Fazit stellt sie heraus, dass neben der Familienarbeit vor allem die Ausbildungs- und Berufswahl die Erwerbsarbeits- und Karrierechancen für Frauen einschränkt. Deshalb müsse es Aufgabe der Beschäftigungspolitik sein, "den Zusammenhang zwischen sozialer Differenzierung bei der Berufswahl und sozialer Ungleichheit im Beschäftigungssystem abzuschwächen".
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Janneke Plantenga
Equality, part-time work and the Polder-model
Janneke Plantenga untersucht in ihrem Beitrag, inwiefern die niederländische Teilzeit-Strategie sich auf das Geschlechterverhältnis auswirkt. Dabei stellt sie heraus, dass in den Niederlanden die Verknüpfung von Flexibilität und Sicherheit (Flexicurity) vor dem Hintergrund einer prosperisierenden ökonomischen Situation zwar gut gelungen ist, dass jedoch die Arbeitszeiten von Männern und Frauen stark segregiert sind. Dies sei jedoch nicht Resultat einer bestimmten Politik, sondern einer traditionellen Vorstellung von Geschlechterrollen, die sich insbesondere in der Zuschreibung der Verantwortlichkeit der Mütter für die Kinderbetreuung zeigt. Teilzeitarbeit bietet Frauen insofern die einzige Möglichkeit, bezahlte und unbezahlte Arbeit miteinander zu verbinden. Daher bleibt zu fragen, ob sich in Zukunft die Arbeitszeiten von Frauen und Männern anpassen werden oder ob die Arbeitszeiten weiterhin ihre geschlechtsspezifische Teilung behalten.
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Jeanne Fagnani
Familienpolitik, Arbeitsmarktpolitik und Geschlechtergleichheit in Frankreich:
eine kontrastreiche Bilanz
Gemessen am Partizipationsgrad von Frauen am Wirtschaftsleben scheint die französische Arbeitsmarktpolitik seit den 90er Jahren im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern von Erfolg gekrönt zu sein. Eine starke Präsenz von Müttern auf dem Arbeitsmarkt, die stetige Zunahme des Frauenanteils in hochqualifizierten Berufen, die Abschwächung der Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern zeugen von einer Verbesserung des ökonomischen Status von Frauen. Dieser ist auf ein gestiegenes Ausbildungsniveau von Frauen und den gleichzeitigen Ausbau von Betreuungseinrichtungen für kleine Kinder zurückzuführen. Jeanne Fagnani zeigt in ihrem Beitrag, dass die derzeitigen ökonomischen Veränderungen jedoch die sozialen Ungleichheiten zwischen Frauen verstärken. Dementsprechend kritisch betrachtet Jeanne Fagnani auch die Entwicklung in der Familienpolitik: Erziehungsgeld und der Erziehungsurlaub seien "vergiftete Geschenke" für Frauen, die zu einem "Drehtüreneffekt" auf dem Arbeitsmarkt führten. Insofern seien auch die aktuellen Debatten in Frankreich um "Übergangsarbeitsmärkte" und um die 35-Stunden-Woche nur begrenzt geeignet, den Status von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt anzugleichen.
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Sabine Lang
Affirmative Action contra Glass Ceilings:
Frauenerwerbstätigkeit in den USA
Das US-amerikanische Beschäftigungswunder der 90er Jahre wird häufig mit dem Geschlechtsattribut ‚weiblich' versehen, da Frauen in den USA durch ihre Nachfrage nach Dienstleistungen nicht nur den Beschäftigungsanstieg mit produziert haben, sondern gleichzeitig auch von der Expansion des US-amerikanischen Arbeitsmarktes überproportional profitiert haben. Dabei sind die Arbeitsplätze sowohl in den sogenannten Niedriglohnsektoren als auch in gut bezahlten Dienstleistungsberufen und bei den Selbständigen entstanden. Sabine Lang untersucht vor dem Hintergrund dieser verbesserten Erwerbschancen die unter dem Begriff der "Affirmative Action" zusammengefassten staatlichen Programme, um so einen Ansatzpunkt für die bundesdeutsche Diskussion um eine verstärkte öffentliche und privatwirtschaftliche Frauenförderung zu liefern. Bereits 1964 wurden in den USA mit dem Civil Rights Act die rechtlichen Voraussetzungen für materielle und bewusstseinsbildende gleichstellungspolitische Instrumente zugunsten von Frauen geschaffen. Sabine Lang kommt zu dem Schluss, dass sowohl zahlreiche spektakuläre und erfolgreiche Klagen und die rechtlich einklagbare staatliche Verpflichtung zu aktiver Gleichstellungspolitik und insbesondere zu einer zeitweiligen Bevorzugung unterrepräsentierter Gruppen jenseits seiner materiellen Effekte die Sensibilisierung für Diskriminierungspraktiken in der Privatwirtschaft erhöht hat.
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Ingrid Kurz-Scherf
Gleichberechtigung in Zeiten zunehmender sozialer Ungleichheit
Auf der Basis der Länderstudien, die prüfen sollten, ob Beschäftigungserfolge mit einem Mehr an Geschlechtergleichheit einhergeht, kommt Ingrid Kurz-Scherf zu einem ambivalenten Schluss. Zum einen bieten zwar einige Erfahrungen in anderen Staaten Ansatzpunkte für eine Politik, mit der die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern forciert werden kann, zum anderen vermitteln diese Strategien ebenfalls den Eindruck einer im Großen und Ganzen stagnierenden oder gar rückläufigen Entwicklung. Sie fasst zusammen, dass alle sechs Länder eine weitgehend ungebrochene Dominanz von Männern an den Spitzen und in den Zentren der gesellschaftlichen Machthierarchien aufweisen, zudem Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen fortbesteht und Frauen überproportional von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind. Durch eine andauernde und gleichzeitig zunehmende soziale Ungleichheit zwischen Frauen wird ein koordiniertes frauen- und geschlechterpolitisches Engagement erheblich erschwert. Darüber hinaus verweist Kurz-Scherf auf die besondere Problemlage der wachsenden Anzahl alleinerziehender Frauen und auf die kaum veränderte Verhaltensstruktur von Männern hinsichtlich der häuslichen Arbeit. Angesichts dessen sei unklar, inwiefern die Länderbeispiele aus geschlechterpolitischer Sicht als best-practice-Beispiele zu begreifen sind und ob sie sich auf das deutsche Beschäftigungssystem übertragen lassen.
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